Ordnung ist das halbe Leben Alte Weisheiten gelten auch für den Möbelhandel Standen Sie schon mal an der Warenausgabe eines Möbelhändlers? Sicherlich. Was, glauben Sie, spielt sich im Kopf des Lagermitarbeiters ab, wenn er Ihren Warenschein entgegennimmt? Freude? - Falsch! Es ist Panik! Denn viele Lager sind komplett zugemüllt. Und das kostet nicht nur viel Zeit und Platz, sondern letztendlich auch Geld. Ihr Geld. Sei es, dass Sie als Unternehmer für die unsachgemäße Lagerführung draufzahlen oder dass Sie als Kunde durch den Preis diese Zustände gleichfalls mitfinanzieren. Eine klare Botschaft. Vorgetragen wurden sie von Unternehmensberater Christoph Porsch, der mit viel Schwung im Branchenforum der Möfa über „logistische Kuschelecken“ im Möbelhandel berichtete. Seine Botschaft stieß auf offene Ohren: Die Aula füllte sich rasch, Stühle aus Nachbarräumen wurden besorgt, Studierende setzen sich schließlich sogar auf die Heizung oder standen. Zurück zur Warenausgabe. Wer sich einmal umgeblickt hat, so die Botschaft von Christoph Porsch, wird sicherlich einen Haufen wild gestapelter Möbel zu sehen bekommen haben. Oftmals haben selbst die Lagermitarbeiter keine Ahnung, was das für Möbel sind. Wo sie herkommen und wo sie hinsollen. Zurückkommende Möbel, die der Kunde nicht mehr will. Wegen Beschädigung durch falsche Lagerung oder durch falschen Transport. Oder handelt es sich gar um Neuware? Eine spätabends ankommende Lieferung wird recht hastig ausgeladen. Weder der Lieferer noch der Lagermitarbeiter haben noch viel Lust, sich darum zu kümmern. Ein langer Tag liegt hinter ihnen, der Feierabend, zum Greifen nahe, vor ihnen. So bleibt die Ware erst mal an der Lagerrampe liegen. Die Prüfung, ob sie vollständig ist, erfolgt nur noch oberflächlich. Die Buchung der Ware erst gar nicht. Am nächsten Tag räumt jemand sie weg, ohne sich Gedanken darüber zu machen, ob sie überhaupt schon erfasst ist. So füllt sich das Lager mit Waren, von denen niemand weiß, dass sie da sind. Ein weiteres wichtiges Thema: Die Lagerung von Waren an der Lagerrampe. Waren an dieser Stelle laden die Mitarbeiter ein etwas mitgehen zu lassen. Von der Lagerrampe bis zum Auto ist es oftmals nicht sehr weit. Und der Vorgesetzte bekommt es nicht mit. Wegen der versperrten Sicht. Es hat sich gezeigt, dass eine aufgeräumte Lagerrampe die Diebstahlgefahr reduziert. Es ist ein ernsteres Thema als die meisten denken. Denn im deutschen Einzelhandel wird jeder vierte Diebstahl von einem Mitarbeiter des bestohlenen Unternehmens durchgeführt. /Logistische+K%FCschelecken2.jpg) „Wer hat im Möbelhandel den meisten Kontakt mit den Kunden?“, fragte Christoph Porsch seine Zuhörer - und gab selbst die Antwort: Ganz klar, der Verkäufer, denkt man spontan. Immerhin steht er im Verkaufsraum, spricht mit den Kunden und schließt die Verträge ab. Dann aber endet sein Kontakt in der Regel schon. Jetzt schlägt die Stunde des Monteurs. Er übergibt dem Kunden die Ware, liefert sie zu ihm nach Hause, baut sie dort auf, führt eventuell anfallende Reparaturen durch. Er ist das Aushängeschild des Unternehmens. Vielen von ihnen ist das gar nicht richtig bewusst oder schlichtweg egal. Und die Chefs kümmern sich selten darum. Nicht selten sind Lieferwagen zugemüllt. Die Ware wird beim Transport nicht richtig gesichert oder vor Beschädigungen geschützt. Und Reparaturen werden meistens beim Kunden und nicht in der Werkstatt des Lagers durchgeführt. Besonders peinlich wird es, wenn die Richtigkeit der Ersatzteile erst vor Ort beim Kunden geprüft wird und sich diese als falsch erweisen. Dieser Kunde wird so schnell nicht mehr wiederkommen. Und die Nachricht von einem schlechten Service verbreitet sich ungleich schneller, als der vom guten. Alte Wahrheiten, alltagsnah und aufschlussreich vorgetragen von Christoph Porsch, dem an dieser Stelle ein herzlicher Dank der Studierenden gilt. Text: Michael Hegmann Foto: Tommy Fietze |