| Alle sind wir Menschen und doch ist keiner wie der andere. Wer hätte das nicht immer schon von sich und den anderen gewusst? Allerdings: Anders als vor Jahrzehnten haben wir heute den Mut, wirklich ganz wir selbst zu sein. So schräg das auch immer sein mag. Kaum können wir mit gutem Gewissen noch sagen, was der eine richtig oder falsch macht. Wer wollte etwa noch verbindlich bestimmen, wie man zu leben hätte: Allein, zu zweit, mit oder ohne Kinder oder doch eher in der Wohngemeinschaft? Sollen wird den Lebenssinn suchen vor allem in der beruflichen Aufgabe, in der Fürsorge für andere, in der Religion, der Kunst oder in unseren Hobbys?
„Individualität“ ist eine der mächtigsten Kräfte, die unsere Gesellschaft gegenwärtig bestimmen. Gängige Klischees zum Beispiel vom dem, was reifere Menschen tun und Junge schätzen, greifen nicht mehr. Wo Lebensstile vielfältig werden, ist es schnell auch die Einrichtung: Man zeigt sie vor und erklärt damit sich selbst. „Sieh her, so lebe ich und so bin ich,“ lautet dann die Botschaft.
„Born to move“. Alles ist heute in Bewegung, geistig und körperlich. Der moderne Großstadtnomade schlägt sein Zelt einmal in Hamburg, ein anderes Mal auf Hawaii auf. Selbstverständlich soll dieses Zelt dann vollkommener Ausdruck seines gegenwärtigen Lebensgefühls sein. „Jeder Mensch hat das Recht auf seine Einrichtung“, betonten in diesem Sinne jetzt auch die angehenden Einrichtungsfachberater der Möfa unter Leitung von Dozent Helmut Heider. Und die Botschaft wurde wahrgenommen. Von insgesamt 12.000 Besuchern.
Ort des Geschehens: Die Bundeskunsthalle in Bonn. Gestaltet wurde dort im Rahmen des Museumsmeilenfests eine Ausstellung zum Thema „Kultur und Wohnen“. Das Möbelgeschäft „Heider Wohnambiente“ aus Königswinter übernahm anlässlich seines 50jährigen Bestehens die Ausstellungsorganisation. Präsent waren u.a. JAB, die Bielefelder Werkstätten, Paschen, Scholtissek, stressless, das Küchenstudio Heider – und eben die Möfa.
An einer 5 Meter hohen Wand, verkleidet mit einer schwarzen, hochglänzenden Lackfolie, hing unübersehbar das auf ein Filzplakat geschriebene Bekenntnis zum Recht auf die eigene Einrichtung. Darunter eine Fotoserie mit Innenraumbeispielen unterschiedlichster Art, in der Mitte das Bild eines wirklichen Nomaden. Vor dieser Wand hatte die Projektgruppe ein Zelt aufgebaut: Eine schützende Hülle aus Pferdefell, gebreitet über gekreuzte Stöcke aus Birkenholz, darunter ein symbolischer Schlafplatz aus Schafsfellen. Kerzen sorgten für warmes Licht. An einer Feuerstelle hätte eine Sippe Platz nehmen können.
Den Ausgangspunkt für das Nachdenken über alte und neue Nomaden bot ursprünglich ein Zeitungsfoto. Zu sehen war dort ein Mensch in skurril-bunter Kleidung, glücklich lächelnd, am Ufer des Rheins vor seinem Zuhause, einer eigenwilligen Zeltkonstruktion, stehend. Moderne Nomaden finden eben ganz unterschiedliche Ausdrucksformen ihrer Individualität. Wo diese Formen nicht vorrangig einkommensabhängig sind, existieren allerdings immer noch ästhetische Grenzen. Fast unendliche Möglichkeiten erschweren eher endgültige Produktentscheidungen. Was passt wirklich zum persönlichen Stil? Was drückt die eigene Individualität angemessen aus? Nicht jeder ist hier stilsicher genug, um die schlüssige Antwort auf solche Fragen zu finden.
Hier zeigt sich: Wer unsicher ist, braucht eben eine fundierte Beratung. Gute Beratung braucht eine Schule, an der man sie lernt. Und diese Schule braucht nicht zuletzt Partner und Freunde, die sie unterstützen. Wer würde schon dieser Gedankenkette widersprechen wollen?
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