Black Swans dominate „Ich lese gerade das Buch „The Black Swan“ von Investmentbanker Nassim Taleb“, so eröffnete Dr. Hartmut Bretz seinen Vortrag im Branchenforum der Möfa. Ihm hat dieses Buch ein vertieftes Verständnis für die zentralen Wendepunkte der noch relativ kurzen Geschichte der Bretz Brothers und ihrer Cult Sofas ermöglicht. Taleb schreibt nämlich in seinem Buch, dass unsere komplexe Welt beherrscht werde von außergewöhnlichen Ereignissen. Obwohl wir sie nicht vorhersehen können, ziehen sie extreme Konsequenzen nach sich. Schwarze Schwäne erscheinen plötzlich und bedrohen weiße Schwäne mit dem schleichenden Tod. Und das ist genau das, was unsere momentane Situation beschreibt. Denn auch die Geschichte der Bretz Brothers ist geprägt von „schwarzen Schwänen“, also von einer Abfolge von nicht vorhersehbaren, geschweige denn planbaren Ereignissen mit dennoch drastischen Auswirkungen. Hier lohnt ein Blick auf die Unternehmensentwicklung: Folgt man Dr. Hartmut Bretz, so wurden die ersten Jahre der Bretz Brothers von den Mittelmäßigen dominiert. Das Arrangement mit dem Mainstream entschied über Erfolg und Misserfolg. Pointiert formuliert: Alle produzierten irgendwie dasselbe, sie verwendeten die selben Stoffe wie alle anderen, sie boten eine Qualität wie alle anderen. Mitte der 90er-Jahre erschien dann der erste schwarze Schwan. Die Cult Sofas wurden geboren und hatten auf der Möbelmesse in Köln sofort Erfolg. Das Unternehmen Segmüller machte die ersten drei Modelle zum werblichen Anker für die Neueröffnung ihres Mega-Stores in der Abteilung „Junges Wohnen“. Nicht die Designführer entdeckten also das Potenzial von Bretz, sondern die Großfläche. Von da an wurden die Cultsofas zum Aushängeschild des jungen Wohnens. Aufgrund des großen Vermarktungserfolges wurde die Marke immer bekannter, frei nach dem Motto: „Wir konkurrieren nicht in erster Linie mit Möbeln, sondern mit Mode, Beauty, Urlaub und Automobil.“ Cultsofas sind Lifestyle, nicht einfach nur Möbel. In sieben Jahren verfünffachte sich der Umsatz. Überzeugt davon, das Rezept für den Erfolg gefunden zu haben, wurden die Sofas immer schriller und schriller und die Designs immer andersartiger. Erfolg aber kann den Blick trüben. Die einmal gefundene Angebotsnische, nämlich schrille Sofas auf der Großfläche im Bereich „Junges Wohnen“ zu vermarkten, ging ziemlich schnell wieder zu. Zwar wurden die Sofas immer wertiger, konnten aber letztlich nicht mit den sinkenden Preisen beim „Jungen Wohnen“ mithalten. Hinzu kam eine schrumpfende Zielgruppe. So gab es von 2002 bis 2005 kaum Wachstum. /BlackSwan2.gif)
Es musste also ein neuer Weg gefunden werden, Bretz wieder in die Köpfe zu rufen. Laut einer Studie lag das Durchschnittsalter der Kunden bei über 40 Jahren. Der Bereich des Jungen Wohnens wurde deshalb endgültig abgehakt. Von nun an bildete Bretz einen Kontrast zu den anderen minimalistisch geprägten Marken im High-End-Bereich. Aus der Sicht von Bretz lechzt dieser Bereich nach Farbe und Emotion. Das Verführerische, Kreative sollte deshalb hier neu entdeckt werden, der Spaß sollte zurückkommen. Und so fanden die Bretz Brothers ihre neue Berufung als „Retter des emotional verarmten High-End.“ Seitdem entwickelt sich Bretz zur Luxury Couture Brand. Aus dem Jungen Wohnen wurde das Luxusversprechen an die etablierten 30- bis 55-Jährigen. Die Marke Bretz verbindet Kunsthandwerk mit Leidenschaft, Qualität mit Phantasie und Tradition mit Avantgarde. Die hohe Wertigkeit der Materialien verschmilzt mit den eigenen Visionen, der Liebe zum Luxus und dem Mut zu großen Emotionen. Bis heute findet die Produktion im traditionsreichen Ort Gensingen statt, wo die Produkte bereits in vierter Generation mit dem Untertitel „manufactured since 1895“ vermarktet werden. 50 % des Umsatzes kommen heute durch den Export zustande, mit hohen Anteilen in Frankreich, der Schweiz und Österreich. Heute stattet Bretz sogar Kreuzfahrtschiffe aus, sowie Restaurants und Clubs. Und auch in der Großfläche ist Bretz wieder zu finden, jetzt aber in der Design Abteilung. Großes Engagement und auch viel Werbung sorgten dafür, dass Bretz sich erfolgreich zur Luxusmarke wandeln konnte. Text: Stefanie Reuper Foto: Katharina Sandt |